Fertighaus – Wie schnell ist es wirklich

In Deutschland gleicht das Bauen der Bewegung einer lahmen Schildkröte. Schuld an diesem Zustand sind nicht so sehr die Baufirmen, sondern vor allem die Bauämter, die teilweise noch wie im letzten Jahrhundert arbeiten und kaum Personal haben. Hinzu kommen die ganzen Bauauflagen und gesetzlichen Verordnungen, die vielfach von Experten als purer Schwachsinn beurteilt werden. Doch all diese Punkte machen das Bauen zu einer langwierigen Sache. Während unsere Nachbarn bereits mehrere Häuser gebaut haben, ist hierzulande das erste noch nicht einmal fertig.

Fertighäuser versprechen eine zügige Fertigstellung. Lange Wartezeiten sind passe. In vielen Fällen stimmt das sogar. Es geht zumindest deutlich schneller, als bei einem regulären Bau. Allerdings sollte der Käufer auch beim Fertigbau auf wichtige Dinge achten.

So lange dauert ein Fertighaus

Werden die Vorarbeiten einberechnet, kann die Bodenplatte (bei Verzicht auf einen Keller) in 2 Wochen fertiggestellt werden. Soll jedoch eine Unterkellerung erfolgen, müssen 4 – 6 Wochen eingeplant werden. Das Wetter ist auch beim Fertigbau eine der wichtigsten Komponenten.

Ein Massivhaus braucht in der Regel weitere 6 Wochen, bis Stein auf Stein gemauert wurde. Das Fertighaus wird als Rohbau bereits in den einzelnen Elementen in der Werkhalle vorgefertigt. Danach dauert es 2 – 5 Tage, bis das Richtfest gefeiert werden kann.

Braucht man ein Richtfest?

Diese Frage stellen viele Käufer, daher wollen wir einmal kurz darauf eingehen. Nein, ein Richtfest ist ein alter Brauch, der für viele als Überholt gilt und unsinnig erscheint. Wer es nicht möchte, kann darauf natürlich verzichten.

Nun kommt der Weiterbau

Gerade beim Weiterbau treten enorme Verzögerung auf. Viele Bauherren bringen ihre eigene Muskelkraft ein. Oft eine Milchmädchenrechnung. Natürlich wird der Bau billiger, dauert dafür aber bis zur endgültigen Fertigstellung deutlich länger. Die ersparten Kosten relativieren sich durch die zusätzliche Zeitbelastung nicht.

Aber auch viele Baufirmen sind bei den Fertighäusern so ausgelastet, das der direkte Ausbau über Monate dauern kann. In vielen Fällen ist ein Fertighaus heute genauso schnell und langsam wie ein Massivhaus. 3 Monate müssen in der Regel für den Innenausbau berechnet werden. In anderen Ländern geht das in 2 – 3 Wochen. In Deutschland hingegen ziehen sich die Arbeiten in die Länge. Auch bei einem Fertighaus sollte viel Geduld mitgebracht werden.

Die Baugenehmigung

Ohne diese geht es nicht. Die Bürokratie mahlt ziemlich langsam in Deutschland. Die meisten Bundesländer brauchen heute länger als vor 30 Jahren. Unterschiede beim Fertighaus und Massivhaus gibt es bei den Wartezeiten nicht. Mehrere Wochen sind ein Glücksfall. Manchmal sind es gleich mehrere Monate. Manche sagen, dass kleine Geschenke an den Sachbearbeiter helfen können. Das jedoch ist strafbar. Dennoch schwören viele darauf.

Kommt es zu Rückfragen oder Unstimmigkeiten, gehen für den Schriftverkehr und die erneute Prüfung wieder Wochen bis Monate verloren.

 

 

Bild Rainer Sturm